Stadt, Konfession und Nation

Cover: Heinemann (2014): Stadt, Konfession und Nation

Andreas Heinemann (2014):
Stadt, Konfession und Nation

Bürgerliche Nationsvorstellungen zur Reichsgründungszeit

Seiten: 478
Buch: 59,00
ISBN:978-3-95605-000-8
E-Book: 59,00 €
ISBN:978-3-95605-001-5

Anders als im alltäglichen Wortgebrauch angenommen, ist Nation keine fest definierte Größe, sondern eine durchaus variable Vorstellung einer sozialen Großgruppe. Die Vorstellungen, die sich die Deutschen zur Zeit der Reichsgründung (1848–1878) von der Nation machten, konnten entsprechend unterschiedlich ausfallen, je nachdem, in welchen Teilstaaten und Regionen sie wohnten und welcher Konfession sie angehörten.

Um die verschiedenen Nationsvorstellungen in dieser für den deutschen Nationalismus formativen Epoche zu untersuchen, betrachtet der Historiker Andreas Heinemann die Nationsvorstellungen von Bürgern in vier Städten – dem katholischen und ‚beutepreußischen’ Münster, dem protestantischen und preußischen Magdeburg, dem protestantischen und hannoverschen Göttingen und dem katholischen und badischen Freiburg: Wie dachten sich Bürger verschiedener Milieus in den Städten die Nation, von welchen Faktoren waren diese Nationsvorstellungen geprägt und wie verbanden sie sich mit regionalen und konfessionellen Identitäten?

Anhand dieser Fragen wird das Verhältnis von Konfession und Nation auf die lokale Ebene heruntergebrochen und der Prozess der Nationsbildung in Deutschland aus dem Mikrokosmos der Stadt heraus analysiert.

 

INHALT

A. Einleitung

B. 1848/49 – ein „nationalpolitisches Laboratorium“ vor Ort

1. Münster – zwischen Preußen und Habsburg

2. Magdeburg – „altpreußisches Selbstgefühl“ oder „Deutschtuerei“

3. Göttingen – föderale Nation oder Republik

4. Freiburg – nationales Vorbild und revolutionäre Hochburg

C. ‚Einheit‘ und ‚Freiheit‘ – die Jahre 1859–1865

1. Münster – „Jedem das Seine“

2. Magdeburg – „Auf, Germania, reiche dem Preußen Deine Hand“

3. Göttingen – „sind die Mittelstaaten nicht erforderlich“

4. Freiburg – „nicht Baden allein, sondern unser großes deutsches Vaterland“

D. Turnen für Stadt und Nation

1. Münster – Turnen als zeitweiliger nationaler Kompromiss

2. Magdeburg – Turnen als nationale Mission

3. Göttingen – Turnen und Politik

4. Freiburg – der „ungünstige Boden, auf welchem der hiesige Verein steht“

E. Der Bruderkrieg

1. Münster – „Bedenklichkeit“

2. Magdeburg – Stimmungswandel

3. Göttingen – das Ende des Welfenstaates

4. Freiburg – Hoffnungen und Resignationen

F. Der Weg zur Reichsgründung

1. Münster – „Wiederherstellung des deutschen Reiches“

2. Magdeburg – ins „neue Reich“

3. Göttingen – nationale Zuverlässigkeit und welfische Opposition

4. Freiburg – Einheit und neue Kämpfe

G. Kulturkampf – Kampf der Nationen

1. Münster – katholischer Nationalismus und die Deutungshoheit über die Stadt

2. Magdeburg – Gedächtnisfeinde und die Verteidigung der bürgerlichen Nation

3. Göttingen – symbiotische Feinde

4. Freiburg – „wahre“ Katholiken und „wahre“ Deutsche

H. Stadt und Nation in der Erinnerungskultur

1. Münster – großdeutsche Geschichte und westfälische Identität

2. Magdeburg – Nation, Preußen und Reformationsgedenken

3. Göttingen – preußische und welfische Geschichte

4. Freiburg – Zähringen, Habsburg, Baden und Deutschland

I. Fazit

J. Quellen und Literatur

 

Dr. Andreas Heinemann hat Geschichte, Politikwissenschaft und Bibliothekswissenschaft studiert und arbeitet als Bibliothekar in Heidelberg.

 

Kritiken und Pressestimmen

„Zu den Vorstellungen von deutscher Nation seit der Revolution 1848/49 bis in die ersten Jahrzehnte des Kaiserreichs liegt eine reiche neuere Forschung vor, und auch die regionalen Differenzierungen sind dicht erforscht. Wenn der Blick nun auf einzelne Städte gerichtet wird, lässt sich nicht vermeiden, dass vieles, was bekannt ist, aus lokaler Sicht erneut erzählt wird. Doch dabei bleibt es in dieser Dissertation (Duisburg-Essen) nicht. Dem Autor gelingt es, den Forschungsstand nicht nur zu erweitern, sondern aus dem städtischen Raum heraus ein Bild zu entwerfen, das quellengesättigt zeigt, wie verfehlt es ist, im kleindeutsch-preußischen Nationalstaat von 1871 das Sehnsuchtsziel des deutschen Nationsdenkens zu sehen. Auch das ist nicht neu, doch hier wird die konkurrierende Vielfalt der nationalpolitischen Erwartungen in vier Städten konkret vermessen: Münster, Magdeburg, Göttingen und Freiburg. […]
Zwei Themenblöcke stehen im Mittelpunkt und werden - das gehört zu den Stärken dieses Buches - miteinander verknüpft: erstens, die vielfältig differenzierten Vorstellungen von einer föderativen "Einigkeit" der deutschen Nation, die noch in den 1860er Jahren in den Städten die einheitsstaatlichen Erwartungen überwogen; zweitens, die konfessionell geprägten Nationsvorstellungen, ohne die, das belegt der Autor für alle Städte detailliert, die konkurrierenden Zukunftserwartungen und Geschichtsdeutungen nicht zu verstehen wären.“
Dieter Langewiesche: Rezension von: Andreas Heinemann: Stadt, Konfession und Nation. Bürgerliche Nationsvorstellungen zur Reichsgründungszeit, in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 7/8
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„An einigen Stellen erstaunt die Kombination von relativ breit behandelten Sachverhalten, die nicht unbedingt neu erscheinen, und lokalhistorischen Fakten, die der Autor als bekannt voraussetzt und nicht näher erläutert. […] Diesem Missverhältnis zum Trotz liefern in der Arbeit allgemein gerade die lokalen Einzelheiten die lohnendsten Erkenntnisse. Wenngleich nicht alle Ergebnisse überraschen, veranschaulicht der stadthistorische Zugriff doch die unterschiedlichen Pfade, die den kleindeutsch geprägten Nationalismus zur Durchsetzung führten.“
Christine Krüger: Rezension zu: Heinemann, Andreas: Stadt, Konfession und Nation. Bürgerliche Nationsvorstellungen zur Reichsgründungszeit, in: H-Soz-Kult, 24.03.2016
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