Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962) - Band 1 (1. Aufl.)

Cover: Becker (2009): Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962), Band 1

Frank Becker (2009):
Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962)

Band 1: Kaiserreich

Seiten: 323
Buch: 15,00
ISBN:978-3-940251-44-2
E-Book: 15,00 €
ISBN:978-3-940251-45-9

1. Auflage statt bisher 29,90 EUR nur 15,00 EUR

 

Die Teilbände der Biografie
Band I: Kaiserreich
Band II: Weimarer Republik
Band III: NS-Zeit
Band IV: Bundesrepublik

Den Sport gestalten – das war die Lebensaufgabe, die Carl Diem sich stellte. Als aktiver Sportler und Sportjournalist, als Funktionär und Organisator, als Pädagoge und Wissenschaftler begleitete er den deutschen Sport von seinen Anfängen vor dem Ersten Weltkrieg bis zu jener Kulturbedeutung, die er auch in der Gegenwart noch besitzt.
In Diems Leben, das mit dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und den Anfangsjahren der Bundesrepublik vier ganz unterschiedliche Phasen deutscher Geschichte durchlief, spiegeln sich die entscheidenden Etappen der Sportentwicklung in diesem Land. Aber auch der internationale Sport kommt in den Blick, dem Diem durch die Olympische Bewegung und vielfältige Aktivitäten im Ausland verbunden war.

Ein besonderes Augenmerk widmet diese erste wissenschaftliche Biografie über den ‚Vater des deutschen Sports’ der Frage, wie das Verhalten Diems in der NS-Zeit zu erklären und zu beurteilen ist.

„In der Vergangenheit sind Diems Person und Verhalten in der Hitze der (geschichts-) politischen Auseinandersetzungen oft in sehr polemischer Weise charakterisiert worden. Die zugespitzte These wurde dabei manches Mal wichtiger genommen als der konkrete Beleg. Dagegen will die vorliegende Arbeit der Maxime folgen, auf Pointierung und Spekulation zu verzichten, das heißt möglichst sach- und quellennah vorzugehen.“ (Den Sport gestalten, Band 3, S. 7)

 

Inhaltsverzeichnis Band 1: Kaiserreich

1. Kindheit, Schule und Entdeckung des Sports
2. Suche und Unstetigkeit: Kaufmännische Lehre – Vereinssport – Militärdienst
3. Journalist und Funktionär – eine Karriere beginnt
4. Positionsbestimmungen. Der Sport in der wilhelminischen Gesellschaft
5. Generalsekretär des DRA
6. Weltkriegssoldat
6.1. Der militärische Einsatz
6.2. Sport und Sportpolitik im Krieg
6.3. Alltag – Erfahrung – Deutung
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
8. Stellungnahme zur öffentlichen Debatte um Carl Diem und Empfehlung für den Umgang mit der Erinnerung an seine Person

Seit vielen Jahren wird darüber gestritten, ob Carl Diem angesichts seines Verhaltens in der NS-Zeit heute noch als Vorbild gelten kann, ob er als Namenspatron für Straßen und öffentliche Einrichtungen tragbar ist. Auf der Basis der biografischen Studien zu Carl Diem wird hierzu in Kapitel 8 eine Empfehlung für den Umgang mit der Erinnerung an die Person Diem vorgelegt. In dieser „Empfehlung“ nimmt Frank Becker zu folgenden Aspekten Stellung:

1. Diems Rolle bei der Gleichschaltung des deutschen Sports 1933/34
2. Die Olympischen Spiele von 1936
3. Das Bemühen um eine Sportprofessur im Jahr 1939
4. Die geplanten und kriegsbedingt abgesagten Olympischen Winterspiele von 1940
5. Die Kommissarische Leitung des „Gaues Ausland“ und der „Auslandsabteilung“ im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen ab September 1939
6. Diems publizistische Tätigkeit in der NS-Zeit
7. Militarismus
8. Persönliche Freundschaften zu Nationalsozialisten?
9. Der 18. März 1945
10. Diems grundsätzliche Haltung zum Nationalsozialismus
11. Diem und der Antisemitismus
12. Abschließender Kommentar
13. Empfehlung

Frank Becker ist seit 2011 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts verfasst. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt er u. a. 2000 den Werner-Hahlweg-Preis und 2002 den Nachwuchs-Forschungspreis der Universität Münster.

 

Kritiken und Pressestimmen

„Mit diesem Band hat Frank Becker seiner imponierenden Biographie von Carl Diem ein wesentliches Teilstück hinzugefügt. […] Wie narrative Geschichtsschreibung sich vor Überspitzungen schützen kann und den Versuchungen zu widerstehen vermag, sich allen Lesern anzudienen, das lehrt diese akkurate und materialdichte Publikation, die, was so selten ist, auch lesbar geschrieben ist." (Joachim Knoll über Band II in: Das Historisch-Politische Buch, 60. Jahrgang/2012, Heft 5, S. 493/494)

„Als vierten und letzten Teil hat der Essener Historiker Frank Becker nun den Band über das Wirken Diems in der Weimarer Republik vorgelegt, den Teil Zwei in der Chronologie dieses Projektes. Und erneut schafft der Autor das, was selten in der deutschen Sportgeschichte vorkommt: In lebendigem Stil ordnet er souverän und sachlich die Lebensgeschichte Diems während der komplizierten Entwicklung des deutschen Sports Weimarer Prägung." (Erik Eggers: Wieder Diskussion. Eine Rezension des zweiten Bandes der umstrittenen Carl Diem-Biographie, Deutschlandradio (13.12.2011), http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1627776/)
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„Für „Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962)“ hat der UDE-Historiker fast 6.000 Briefe ausgewertet und etwa 12.000 Tagebuchseiten studiert. Dabei ist er schon früh auf „rassekundliche“ Bemerkungen und belastende Belege gestoßen, die Diem als Antisemiten ausweisen – bereits vor der Machtübernahme durch die Nazis. (...) In seine Überlegungen bezieht Becker auch die Bedeutung der Mediengeschichte mit ein und zeigt, wie sehr sich Rundfunk, Presse und Sport gegenseitig zum Aufstieg verholfen haben. Damit schafft es die Biografie, den Sport auch als politisches Phänomen einzuordnen und das Wirken Carl Diems ebenso lebendig wie sachlich darzustellen"
(Ein umstrittenes Leben für den Sport. Prof. Frank Becker komplettiert vielbeachtete Carl Diem-Biographie, Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen (16.12.2011), http://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=5549)
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„Es ist die Gretchen-Frage des deutschen Sports. Wie würdigt man angemessen einen Mann, der die Olympischen Spiele 1936 in Berlin organisierte, der das Sportabzeichen einführte, der als Initiator der deutschen Sportwissenschaft gilt? Einen Mann, der aber auch den nationalsozialistischen Machthabern im "Dritten Reich" diente und zum Ende des Zweiten Weltkriegs 14-jährige Pimpfe mit einer Rede in den sinnlosen "Endkampf" um Berlin schickte? Im Umgang mit Carl Diem, der von 1882 bis 1962 lebte, wird über das kulturelle Erbe des deutschen Sports befunden. Deshalb wird die Debatte um seine Person seit vier Jahrzehnten mit großer Leidenschaft geführt. In den vergangenen Monaten eskalierte dieser Historikerstreit noch einmal – ironischerweise ausgehend von einer wissenschaftlichen Diem-Biographie." (Erik Eggers: Carl Diem, Sportpionier oder Nazi?, in: Zeit Online (07.12.2011), http://www.zeit.de/sport/2010-12/diem-streit-nationalsozialismus-dosb/komplettansicht)
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„Becker sind – trotz aller Einzelkritik – drei gute, teilweise spannend geschriebene Teile seiner Diem-Biographie gelungen, wenn auch Bd. 4 wegen der auf Diem zentrierten Quellenauswertung und der schwachen Ausleuchtung des personellen Umfeldes gegenüber Bd. 1 und 3 abfällt. Die geschichtspolitische Debatte um Carl Diem wird trotzdem weitergehen, dank Becker nun aber auf einem höheren Niveau. Wir dürfen gespannt sein auf Bd. 2, der Diems Zeit als faktischer Leiter der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin und als Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen in der Zeit der Weimarer Republik, also auf dem Höhepunkt seines sportpolitischen und sportwissenschaftlichen Einflusses, untersuchen wird." (Hans Joachim Teichler, Carl Diem - Mythos oder Reizfigur? Besprechung von Frank Becker, Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962), Bde. 1, 3 u. 4, Duisburg: UVRR 2009 u. 2010, in: Historische Zeitschrift (HZ) 291 (2010), S. 721-735.)

„Weil die Kritik an Diem sich vor allem an dessen Verhalten in der NS-Zeit entzündet, ist es vor dem Hintergrund dieses großen öffentlichen Drucks also folgerichtig, wenn der […] Verfasser sich zuerst diesem Teil der Biographie gewidmet hat. Auch wenn Becker zwar aus diesem äußeren Grunde notwendig Diltheys methodisches Postulat für den Biographen verletzen mußte, das Verstehen seines Gegenstands habe die Summe seines ganzen Lebens zu berücksichtigen, hat er die daraus entspringenden Schwierigkeiten auf geradezu vorbildliche Weise gelöst. Gestützt auf umfangreiche Archiv- und Literaturstudien entfaltet Becker ein plastisches, mit vielen bislang unbekannten Details (z. B. über Diems Sexualleben) angereichertes Bild seiner privat, kulturell, politisch, aber auch sporthistorisch bedeutsamen Lebenswelt.“ (Jürgen Court, in: Das Historisch-Politische Buch. 58 (2010), Heft 3, S. 245-247.)

„Solide recherchiert und stets gut lesbar zeichnet Becker zunächst den rasanten Aufstieg Diems in die Spitzen der Sportpolitik nach: Diems Wirken als Sportjournalist, seine Ämter als Leichtathletikfunktionär, sowie seine Rolle als Generalsekretär der Olympischen Spiele 1916 in Berlin, die wegen des Krieges ausfielen. Auch das Diemsche Projekt von der Verzahnung des Sports mit dem Militär war bekannt.
[...]
Beckers hervorragende Biografie setzt hohe Maßstäbe. Die geschichtspolitische Debatte um Diem, die sich in Wirklichkeit mit der Frühgeschichte des deutschen olympischen Sports beschäftigt, dürfte dennoch nicht beendet sein.“ (Deutschlandfunk, 11. Juli 2009, Sport am Samstag, Erik Eggers: „Sportabzeichen und Heldentod. Eine Biografie erzählt vom Leben des Sportfunktionärs Carl Diem“)
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„[...] Insgesamt rekonstruiert (Becker) auf umfangreicher Quellenbasis ebenso detailliert wie überzeugend Diems Ansichten, Gemütslagen und Handlungsspielräume während der gesamten NS-Zeit. Mit Band 3 der Biographie liegt ein Werk vor, das für das Verständnis der Geschichte des Sports im Nationalsozialismus unverzichtbar ist. Dass damit aber die Diskussionen um die Person und das Erbe Diems verstummen werden, glaubt auch Becker nicht. Treffender als der Autor in seiner abschließenden Stellungnahme kann man Hintergrund und Charakter dieser
Debatten kaum formulieren: „Die Gestaltung des öffentlichen Gedenkens an
Personen oder Geschehnisse ist Sache der Geschichtspolitik.
Geschichtspolitik ist etwas anderes als Geschichtswissenschaft“ (S. 339).“"
(Ausschnitt aus: Nils Havemann: Rezension zu: Becker, Frank: Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962): Band III: NS-Zeit. Duisburg 2009, in: H-Soz-u-Kult, 25.09.2009)
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„[...] Was im sportlichen Treiben oft der Leichtathletik zugeschrieben wird, ist in der historischen Wissenschaft die Biographie: eine Königsdisziplin. Der Münsteraner Historiker Frank Becker widmet sich in seiner neuen Studie beidem: dem Sport und der Biographieforschung. Er hat mit seinen Ausführungen über Carl Diem eine breit angelegte Untersuchung publiziert, der es gelingt, die personelle Entwicklung des Sportfunktionärs in Verbindung zu dem Denken seiner Zeit zu setzen. Insgesamt legt Becker damit eine vielschichtige Arbeit vom 19. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit vor. Als erstes erschienen ist der dritte von vier Bänden, der sich der NS-Zeit widmet. In diesem wird vor allem die Haltung Carl Diems zum Regime diskutiert. [...]
(Becker) erzählt auf einer breiten Quellenbasis das Wirken und Leben Carl Diems. Dabei kommen Egodokumente wie Tagebucheinträge und Briefe genauso zum Tragen wie politische Schriftstücke aus verschiedenen Archiven der Bundesrepublik. Auch verliert er nie die aktuelle Forschungsliteratur und ihre Diskussionen aus dem Blick und ordnet somit in einem gut lesbaren Ton das Leben Diems in den breiten zeitgeschichtlichen Kontext ein. [...]“
Aus: „Kein Königsweg in der Königsdisziplin: Das Leben des Sportfunktionärs Carl Diem“ von Eva Modrey, KULT_online, Ausgabe 21, 2009
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